Filmzensur – gerechtfertigt oder pure Willkür? Teil 1 am Beispiel von Robert Rodriguez´ Kinofilm “Machete”

Eine nackte Frau, die ihr Genital als Aufbewahrungsort für ein Mobiltelefon nutzt, ein Mexikaner, der sich an einem menschlichen Darm aus einem Fenster abseilt und jede Menge abgehackte Körperteile – das Urteil der FSK[1] absehbar: Keine Jugendfreigabe.

 „Machete“ – einst bejubelter Fake-Trailer im Vorspann zu „Planet Terror“ – spielt mit der Überaffirmation[2] vor allem von Gewaltszenen. Umso erstaunlicher ist es, dass der Film weder fürs Kino, noch für die DVD-Version zensiert wurde, wie auf Schnittberichte.com nachzulesen ist. Auf den für DVD und Blu-ray angekündigten Director´s Cut, in dem „neben neuen Figuren auch zusätzliche Gewaltszenen“[3] zu sehen sein sollten, verzichtet Regisseur Robert Rodriguez angeblich im Nachhinein. Möglicherweise aus Furcht vor Zensur. Die Szenen sollen dennoch als Deleted Szenes im Bonusmaterial enthalten sein.[4]

 Nachdem Drogenboss Torrez (Steven Seagal) Machetes Familie tötet, flieht dieser nach Texas, wo ihm für die Ermordung des rassistischen Senators McLaughlin (Robert De Niro) 150.000 Dollar geboten werden. Das Angebot ist jedoch eine Falle: McLaughlin überlebt und nutzt den Anschlag zu Propagandazwecken für seine Wiederwahl, während Machete (Danny Trejo) von Polizei und Mafia gejagt wird. Mit Unterstützung der Untergrundkämpferin Luz (Michelle Rodriguez) und Immigrationsagentin Sartana (Jessica Alba) nimmt Machete den blutigen Kampf auf.

 Bloßes Gemetzel oder vielleicht sogar Gesellschaftkritik mit künstlerischem Anspruch? In Internetforen scheiden sich hierzu die Geister.  „Furchtbar schlecht der Film!! Absolut enttäuschend wie sich die Top Schauspieler hier präsentieren.  Nur Michelle Rodriguez erreicht ihre Normalform!! Null Handlung, schlechte Effekte, miese schauspielerische Leistungen am laufenden Band. Leider kommt anstatt Witz nur B-Movie feeling wie aus den 80er zur Geltung. Wer sich dies trotzdem antut (wie ich) der ist selbst schuld.“,[5] schreibt kino.to-User Henge am 6.01.2011.  Ganz im Gegensatz dazu Kommentare wie das folgende von Batzman: „Ein Film, der genau das liefert, was die Trailer so unnachahmlich versprachen: Mexploitation wie sie sein soll: Böse, blutig, ein bisschen sleazy und over the top, gewürzt mit einer groben satirischen Breitseite gegen die US-Xenophobie[6] […] Und trotz aller Gewalt und ausufernder Brutalität ist Machete wie immer bei Rodriguez auch ein Film mit Herz!“[7]

 Wie sehr Rodriguez mit der Überzeichnung der Charaktere und Darstellungen spielt, wird anhand der Filmposter deutlich: Michelle Rodriguez alias Luz beispielsweise hält in ihrer Hand ein riesiges Gewehr, das mindestens so lang und breit wie ihr gesamter Oberkörper ist.

 Der kritische Betrachter kann gar nicht anders als sich zu fragen, wie eine so zierliche Frau eine derartige Waffe mit nur einer Hand tragen, geschweige denn damit zielen und schießen kann. Seinen Gipfel der Lächerlichkeit erreicht die übertriebene Gewaltdarstellung als sich Drogenboss Torrez die ihn durchbohrende Machete unter genugtuendem Stöhnen noch weiter in den Körper bohrt.  Spätestens an dieser Stelle dürfte der abgeklärte Zuschauer die Ironie, vielleicht sogar den Sarkasmus erkennen, mit dem Rodriguez arbeitet. Eine weitere Parodierung gedankenloser Gewalt ist feststellbar, wenn man sich die Animation des von McLaughlin vorgeschlagenen Grenzzauns ansieht. Die stark vereinfachte, bagatellisierte Darstellung der die Mexikaner darstellenden Männchen, die bei Berührung des Zauns durch einen Stromschlag in hohem Bogen durch die Luft gewirbelt werden, verweist auf einen weiteren Aspekt des Films: seine Funktion als gesellschaftkritisches, vielleicht sogar politisches Statement. Auf sueddeutsche.de wird Rodriguez bereits als „Star des postpolitischkorrekten Zeitalters“[8] gehandelt. „Machete“ sei ein „kleiner revolutionärer Film“, der zeige, „dass die amerikanische Gesellschaft und die Politik, die sie vertritt, der reine Trash sind.“.[9]

Vorschau: Teil zwei zur Filmzensur folgt am 18. März. In der nächsten Woche lest ihr an dieser Stelle Teil zwei der Café-Serie von Jean-Claude.

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Teil 2 zum Thema Filmzensur findet ihr hier.

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[1] FSK = Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft; Die FSK führt freiwillige Prüfungen für Filme, Videokassetten und sonstige Bildträger (z.B. DVDs) durch, die in Deutschland für die öffentliche Vorführung bzw. Zugänglichmachung vorgesehen sind. Für die Jugendfreigabe ist eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung erforderlich, die von der FSK im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden vorgenommen wird. (Quelle: http://www.spio.de/index.asp?SeitID=2)

[2] Überaffirmation = übersteigerte/übertrieben Darstellung

[3] http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=2360, abgerufen am 20.01.2011.

[4] Vgl. http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=2360, 20.01.2011.

[5] http://kino.to/Stream/Machete-2.html, 20.01.2011.

[6] Xenophobie = Fremdenfeindlichkeit

[7] http://www.fuenf-filmfreunde.de/2010/11/05/machete-review/, 20.01.2011.

[8] http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-kino-machete-brutal-spiegelei-romantisch-1.1020834, 20.01.2011.

[9] http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-kino-machete-brutal-spiegelei-romantisch-1.1020834, 20.01.2011.

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