Tag des Militärs in Israel

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Wann ist nochmal der deutsche Nationalfeiertag? Klar, am 3. Oktober. Aber was macht man da? Ist man an diesem Tage besonders stolz ein Deutscher zu sein?

Wenn süß auf streng trifft: Soldaten vor der Klagemauer (Foto: Tröger)

In Israel ist diese Frage 100% mit ja zu beantworten. Man ist stolz Israeli zu sein. Man ist stolz jüdisch zu sein. Egal ob gläubig, nicht-gläubig, reformiert, konservativ oder orthodox. Und wie äußert sich das? Ich habe mit Absicht als Gegensatz nicht den eigentlichen Nationalfeiertag, also den Tag der Gründung des Staates Israel gewählt, sondern den Tag des Militärs.

In Jerusalem sieht das so aus: Die Ben Yehuda Straße ist die Haupteinkaufsstraße der jüdischen Neustadt. Hier gibt es allerlei kleine Essensgeschäfte, Cafés und Läden für den täglichen Bedarf. Die Straße ist eine Fußgängerzone und alleengleich mit Bäumen versehen. Am Tag des Militärs rücken schon früh gepanzerte Wagen und anderes kriegstaugliches Gerät an. Man kommt sich bald vor wie auf einem Truppenübungsplatz und überall sieht man die in khakifarbene Uniformen gehüllte Militärs, die Fahrzeuge in Position bringen, Bühnen und Stände und auch das ein oder andere Maschinengewehr aufbauen. Das normale Leben läuft trotzdem weiter. Man isst ein „Frozen-Yogurth“, kauft sich noch eine Kippa, die religiöse Kopfbedeckung der jüdischen Männer, mit dem Logo der „Lakers“ darauf und bestaunt schon einmal, was es bald alles zu sehen gibt. Am Eingangsplatz der Ben Yehuda wird eine große Bühne aufgebaut. Hier findet am Abend die Eröffnungsfeier statt. Zuerst gibt es einige Redner und dann folgt das große Spektakel: heroisch wird ein israelisches Nationallied gesungen und vom gegenüberliegenden Hochhaus seilen sich Soldaten mit der Davidsstern-Flagge in der Hand ab. Vom Publikum wird diese Aktion geschätzte 3000mal in Bildern und Handyvideos festgehalten und bejubelt. Danach ist das Fest eröffnet. Hübsche Israelinnen lassen sich mit Männern in Marineuniform ablichten. Väter setzten ihre dreijährigen Kinder hinter ein festinstalliertes Maschinengewehr und machen Fotos fürs Familienalbum. Wer zu den Auserwählten gehört, darf kurz einmal den neuesten Minensuchroboter steuern. Es ist eine riesige Imagekampagne für die „Israeli Defense Force“, das israelische Militär.

Für uns deutschen Betrachter ist das ein Schock. Ähnlich wie es heute schockierend ist, an jedem Bahnhof schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten zu sehen. Aber es ist auch verständlich, wenn man um den historischen Kontext weiß (Man denke nur zurück an den Sechs Tagekrieg oder die Sueskrise zurück) und sieht wie jetzt der mit Jordanien zurzeit einzig friedliche Nachbar Ägypten im Chaos zerfällt.

Vorschau: Der nächste Artikel wird wieder von etwas räumlich Näheren handeln: Ich schaue mich auf den Demos von Dresden zum Gedenken an die Opfer des Bombardements der Allierten vor 66 Jahren um.